Die 4er müssen weg

Was wünscht Ihr Euch denn für das neue Schuljahr?

Diese Frage stelle ich den Kids unglaublich gerne zu Beginn der Schule im September.

Die 4er müssen weg.

Warum?

Das sagt die Oma.

Aha.

 

Damit war das erst einmal geklärt.

Und was wünschen sich die Kids wirklich?

Eine Eins in Sport!

Warum wünschst Du Dir eine Eins in Sport?

Weil mir Sport so richtig Spaß macht! Da möchte ich eine gute Note haben! Und da bekomme ich auch immer gute Noten! Ich mache immer mit!

Und was wünschst Du Dir sonst?

Jan schaut sich seine Fächer an.

Eine Sechs in Kunst!

Ich schaue ihn verwundert an.

Wieso wünschst Du Dir denn eine Sechs in Kunst?

Die Lehrerin nervt so!

Die kann überhaupt nicht erklären. Und sowieso, die redet die ganze Zeit. Und dann will sie, dass wir irgendwelche komischen Sachen malen. Da will ich eine Sechs!

Und wie willst Du das anstellen?

Das interessiert mich dann doch, wie man auf eine Sechs in Kunst hinarbeitet.

Das weiß ich auch noch nicht so genau.

Ich habe letztes Jahr eine Drei bekommen und habe keine Ahnung warum.

Naja, vielleicht muss es dann auch keine Sechs sein?

Nur so ein Vorschlag.

Doch!

Okay. 
Und was wünschst Du Dir noch für dieses Schuljahr?

Eine Drei in Mathe. Eigentlich eine Eins. Aber das schaffe ich nie.

Warum denkst Du, dass Du das nie schaffen wirst?

Der Lehrer erklärt immer ganz komisch.

Und kannst Du noch mal nachfragen, wenn er es so komisch erklärt hat und 
Du es noch nicht ganz verstanden hast?

Nein. Der macht immer so schnell. Der rechnet an der Tafel und erklärt dabei. Und dann macht er meistens Fehler in der Rechnung. Dann wischt er alles wieder weg und schreibt ganz schnell eine neue Rechnung auf. Und dann hat er keine Zeit mehr und wischt wieder alles weg und macht das nächste.

Und habt Ihr schon mal mit ihm gesprochen?

Ja. Dann sagt er, dass wir einfach schneller arbeiten müssen. Wir sind immerhin am Gymnasium.

Hast Du eine Idee, wie man da eine Lösung finden könnte?

Nein. Er hilft auch nur seinen Lieblingsschülern. Und wenn die anderen was fragen wollen, dann sieht er das gar nicht.

Wir einigen uns darauf, dass wir jedes Mal, wenn wir uns sehen, Mathe anschauen und klären, was noch nicht klar ist.

Was mir aber klar ist: So einfach wie sich das sagt, die 4er müssen weg, ist es nicht!

Und noch schlimmer, es ist kein Stück produktiv, so etwas zu sagen!

Die 4er müssen weg!

In dieser Aussage liegt doch der Schluss, dass das ganz alleine in der Hand der Kinder liegt!
Ein klitzekleines Gespräch mit den Kids zeigt, dass das so einfach aber gar nicht ist!

Wo können die 4er herkommen?

Und wo kommen die 1er her?

Das Stichwort ist Begeisterung und Spaß!

Das sind unsere Motoren für das Lernen!

So geht Lernen!

Begeistert, mit Feuereifer und unbändigem Spaß!
Im Sport alles geben, weil man für sein Leben gerne Fußball spielt oder turnt oder schwimmt oder Handball spielt.

In Kunst mit den Farben spielen und sich ausprobieren und Dinge zeigen, die in keine Worte passen.

In Mathematik die Zusammenhängen ergründen und mit Begeisterung Begründungen für bestimmte Regeln und Rechenwege aufzeigen.

In Geschichte mit großer Neugier in unsere Spuren abtauchen und fasziniert erfahren, was schon alles hinter uns liegt und dabei auch große Betroffenheit erleben.

Und das ist natürlich nicht nur auf diese Gebiete begrenzt.
Aber vielleicht findest Du selbst schon den Haken.

All das kann begeistern!
Aber die Begeisterung ist nicht nur abhängig von dem, was in uns steckt, sondern auch davon, was uns umgibt.
Es gibt Lernumgebungen, die nicht inspirieren. Die einen einengen, einschüchtern, manchmal auch sprachlos machen.

Es ist also nicht so einfach, einfach so zu sagen, die 4er müssen weg.

Auf den ersten Blick scheint es einfach.

Die Lösung: Mehr lernen!

Aber was bedeutet das? Und wie ist das möglich?

Bevor wir also einfach mal so eine einfache Formel ausspucken, sollten wir uns lieber die Zeit nehmen und zuhören!

Zuhören, was hinter den 4ern steckt!

Zuhören!

Zuhören kann einen mit dem Gefühl der Hilflosigkeit konfrontieren.
Wir können oftmals die Lernumgebung unserer Kinder nicht verändern.

Wir können oftmals nicht so eingreifen, wie wir es uns wünschen würden.

Aber indem wir zuhören, machen wir schon eine ganze Menge!
Ehrlich gesagt, manchmal ist es das größte, das wir tun können!

Wenn wir genau zuhören, dann kommen uns auch keine einfache Formeln mehr in den Sinn, wie: Die 4er müssen weg! Oder: Du musst einfach mehr lernen!

Nein, dann kommen Fragen in den Kopf:
Wie kann ich für Dich da sein?
Was brauchst Du?

Wie kann ich Dir helfen?
Möchtest Du, dass ich Dir helfe?

Und diese Fragen sind so unglaublich viel wert für die Herzchen unserer Schätze!
Und sie sind auch unglaublich wichtig für uns selbst!

Wenn wir Fragen stellen, dann verbinden wir uns mit unseren Kids!
Wenn wir Formeln aufstellen, dann be- oder verurteilen wir unsere Kinder. Und das hilft weder ihnen noch uns.

Wie lauten Deine Formeln?
Hast Du auch so etwas wie ‚Die 4er müssen weg’?

Welche Fragen kannst Du stellen?
Und nicht nur einmal, sondern jeden Tag!

Würdest Du Deinem Kind auch so gerne zur Seite stehen und weißt manchmal einfach nicht wie?

Lass uns zusammen arbeiten!
Man muss nicht alles alleine schaffen!

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